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Fechtertage 2019

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Vorbereitung auf die Fechtertage

Schon Tage vor dem Turnier machen sich die Fechtertage in der Innenstadt bemerkbar: Die Teams aus der ganzen Welt kommen in ihren Trainingsanzügen ins Zentrum um zu Essen oder zu ihren Unterbringungen zu gelangen. Auf ihren Rücken prangen Aufschriften von Weißrussland bis China.In den Tagen werden drei Turniere ausgefochten. Der Einzel-Weltcup, bei dem die besten Fechter der Welt direkt gegeneinander antreten, der Nationen-Cup, bei dem sich die Nationalteams gegenüber stehen und den Europa-Cup, der zwischen den Vereinen ausgetragen wird.Alles rund um die Wettkämpfe gibt es hier:
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Schon ein Jahr im Voraus beginnt die Planung. Die Heidenheimer Fechtabteilung des HSB wartet dann darauf, dass der Weltverband (FIE) die Weltcup-Termine vergibt, um das Congress Centrum buchen zu können. Außerdem müssen Kampfrichter organisiert werden, mit dem Tennisclub gesprochen werden, es werden Geräte und Bahnen bestellt, eine Woche vor dem Turnier fahren die Vereinsmitglieder Shuttelfahrten zu den Flughäfen und ab Mittwoch wird dann auf dem Schlossberg aufgebaut. 20 Leute sind dabei einen Tag beschäftigt - bauen Bahnen und Anlagen auf. Einige nehmen sich extra Urlaub oder reisen um zu helfen aus dem Ausland an.Schon am Donnerstag eine Woche vor dem Turnier gab es einen neuen Teilnehmerrekord: 330 Degenfechter waren gemeldet. Die Anmeldefrist geht bis Montag 24 Uhr. Maximal könnten sich 352 Einzelkämpfer melden. Bei mehr Sportlern müssten neue Bahnen gelegt werden, oder man müsse ins Fechtzentrum ausweichen.
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Im Fechtznetrum können die Sportler jeden Tag trainieren. Dabei geht es locker zu. Die Fechter stecken nicht drei ganze Tage in ihren Anzügen, sondern spielen auch mal Fußball, so wie auf diesem Bild vom vergangenen Jahr.
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"Diesmal war es schwierig einen Steg vom Congress Centrum zu den Tennishallen zu bauen", erklärt Cosmin Balog. Er koordiniert seit acht Jahren den Aufbau vor Ort. Das bedeutet eine ganze Menge Fahrten aus dem Fechtzentrum auf den Schlossberg mit Stühlen, Eimern und Paletten. Zusammen mit seinem Team baut er einen ganzen Tag die 16 Bahnen auf. "Dieses Jahr war es schwierig wegen dem Schnee. Den mussten wir wegräumen, bevor wir die Transporter ausladen konnten", erzählt er.Unterstützung bekommt er von Willi Leibing, er kommt von der Firma, die die Bahnen und Zählanlagen für die Treffer stellt. "Ich muss helfen, wenn etwas kaputt geht, oder sich jemand verletzt", sagt Leibing. Pro Jahr ist er auf über 20 Fechtveranstaltungen weltweit im Einsatz und plant auch Fechthallen mit.
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Erster Turniertag

Am ersten Wettkampftag wird ausgesiebt: Über 330 Degenfechter sind dabei, unter ihnen die Besten der Weltrangliste, doch nur 64 werden auch noch an Tag zwei fechten. Jede Nation kann 12 Teilnehmer zu Weltcups schicken. Wer zu den Wettkämpfen kommt, hängt von den Auswahlverfahren in den einzelnen Ländern ab und davon, wie vielen Sportlern die Anreise und der Aufenthalt auch finanziell ermöglicht wird. Die 16 besten Degenfechter der Weltrangliste treten an Tag eins gar nicht an, sie sind automatisch weiter. Die restlichen Sportlern fechten zuerst 16 und dann nochmal 32 Plätze für den zweiten Finaltag aus.Um oben in der Weltrangliste zu stehen, braucht es gute Platzierungen bei den insgesamt acht jährlichen Weltcups und Grand Prixs jedes Jahr.
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Der Unterschied zwischen den Gattungen liegt zum einen in der Form der Klingen und Griffe der Waffen, zum anderen in der größe der Trefferfläche. Beim Florett kann der Fechter am ganzen Rumpf und Kopf getroffen werden, beim Säbelfechten werden treffer an Oberkörper, Kopf und Armen gewertet. Bei den Degenfechtern zählt der gesamte Anzug zur Trefferfläche.In der Spitze der Degen ist ein Sensor auf einer Feder, der auslöst, wenn die Spitze bei einem Stoß mit mehr als 750 Gramm belastet wird. Die Bahn, oder auch Piste oder Planche, auf der der Kampf ausgetragen wird, ist 14 Meter lang und 150 bis 200 Zentimater breit. Wird die Bahn seitlich verlassen, muss der Fechter einen Meter zurückweichen, verliert also an Boden. Verlässt er die Bahn nach hinten, gibt es einen Strafpunkt.

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Wird in einem Rundensystem gefochten, gehen die Kämpfe vier Minuten und sind nach fünf Treffern für eine Seite entschieden. Kämpfen die Sportler in einem K.O.-System mit Direktausscheidung, dauern die Kämpfe neun Minuten, oder bis eine Seite 15 Treffer erziehlt hat.Gelingt beiden Fechtern ein Treffer in einem Abstand von unter 0,2 Sekunden wird der Punkt auf beiden Seiten gewertet. Steht es nach Ablauf der Zeit unentschieden, gibt es eine Minute Verlängerung. Der nächste Treffer entscheidet. Fällt auch in dieser Minute kein Treffer, entscheidet das Los wer gewinnt.Auf welcher Seite die Punkte fallen, erkennt der Zuschauer an zwei grünen Lampen, die bei Treffern aufleuchten.Zu Beginn einer Runde stehen sich die Fechter zwei Meter von der Mitte entfernt gegenüber.
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Auch wenn die angespannten Gesichter der Sportler hinter Masken versteckt sind, merkt man schnell, Fechten ist ein emotionaler Sport: Nach jedem Duell brechen die Gewinner in Siegesgebrüll aus.Fünf mal war der Gewinnerschrei auch von Stephan Rein bei seinen Rundenkämpfen zu hören. Im letzten Kampf stand es allerdings 4:4 und Rein verlor.
"Genau das ist Fechten, alles ist offen", sagt er. Deshalb könne er vorher auch noch keinen Favoriten nennen. Mit dem Rest seiner Kämpfe war der Sportler aber sehr zufrieden.Aus den Kämpfen der anderen Fechter einer Runde könne man für sich selbst nichts ableiten, aber: "Man sieht, wie die anderen kämpfen und stellt sich darauf ein."

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Zweiter Turniertag

Noch 64 Fechter stehen sich am zweiten Turniertag gegenüber. In einem K.O.-System wird der Beste aus ihnen ermittelt. Nach jeder Begegnung scheidet ein Sportler aus und einer darf in die nächste Runde. Das geht so vom 64stel bis ins Halbfinale, denn danach stehen sich nur noch zwei gegenüber. Wer aus diesem Kampf Siegreich hervorgeht, hat den Weltcup für sich entschieden. Die Kampfrichter für den Einzel-Weltcup kommen aus der ganzen Welt. Fünf von Ihnen kommen aus Deutschland und um weitere fünf muss sich die ausrichtende Heidenheimer Fechtabteilung kümmern. Hinzu kommt ein sogennanter Observateur, der in Streitfragen das letzte Wort hat.
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Bei den Heidenheimer Fechtertagen 2017 erklärte HSB-Fechter Rudger Seidel was er beim Fechten alles trägt.
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In der Zeit zwischen zwei Gefechten versuchen die Degenfechter aus aller Welt sich im Congress Centrum zu entspannen. Überall liegen deshalb Sportler auf den Bänken, Stühlen und Rängen oder hier auf den Sofas beim Eingang.
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"Wir bespielen 10 bis 12 Leinwände und mehrere Bildschirme von hier", erklärt Hartelt, der im Technikraum oberhalb der Zuschauertribüne im Congress Centrum sitzt. Von dort wird sichergestellt, das jeder den Ablauf mitbekommt. Auf den Bildschirmen sind Zeitpläne und Ergebnisse zu sehen.
Wenn es Änderungen gibt, kann Hartelt eine Durchsage starten. Wenn jemand gesucht wird, kann er ihn ausrufen. Außerdem ist er mit verantwortlich für die Lichttechnik während der Fechtertage auf dem Schlossberg.Die Technik dafür ist zu großen Teilen schon vorhanden. Den Rest bringen die Fechter mit.
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Der HSB-Fechter Niklas Multerer schied am ersten Turniertag aus. Vorher gewann er aber noch fünf seiner sechs Rundenkämpfe. Stephan Rein qualifizierte sich für den zweiten Turniertag und war damit unter den besten 64 Degenfechtern.Er gewann zwei weitere Duelle und unterlag dann aber, als nur noch 16 Fechter im Rennen waren. Mit den Punkten aus der Vorrunde wurde er 13.
Weltcupsieger wurde der Franzose Alexandre Bardenet. Er schmiss vorher auch Rein aus dem Turnier.
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Dritter Turniertag

Nachdem die Einzelkämpfe ausgetragen sind, kämpfen am dritten Tag des Turniers Nationalteams gegeneinander.
Eine Nationalmannschaft im Degenfechten besteht aus vier Fechtern. Im deutschen Quartett um Trainer Mario Böttcher ist dieses Jahr auch ein Heidenheimer Fechter. Stephan Rein hat es in die deutsche Auswahl geschafft.
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Seit vier Jahren organisiert HSB-Trainer Jannis Blank die Shuttlefahrten zu den Flughäfen für die Mannschaften und für die Kampfrichter. Damals machte er noch sein Freies Soziales Jahr im Fechtzentrum.Fünf Leuten mit sieben Fahrzeugen holen die Sportler aus Frankfurt, Stuttgart oder München.Den Schnee in Süddeutschland haben auch die "Fechtertaxis" gespührt: Einige Flüge hatten Verspätung oder wurden ganz abgesagt. "Da muss man dann schnell neu koordinieren. Am Ende hat aber alles geklappt", sagt Blank. Auch nach dem Turnier kommt er mit seinem Team wieder zum Einsatz. Für den Transport der Kampfrichter muss der Verein aufkommen. Die Mannschaften bezahlen den Service aber.
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Gegen Hong Kong Gewannen die deutschen Degenherren unterlagen aber dem italienischen Nationalteam. Damit fochten sie um die Plätze neun bis 16.Sie schlugen die Franzosen, bei denen auch der Gewinner des Einzel-Weltcups Alexandre Bardenet ficht. Im folgenden Duell gegen Kasachstan lagen die Deutschen von Anfang an zurück. Erst am Ende drehten sie das Duell noch und fochten deshalb um Platz neun und zehn.
Im letzten Kampf standen die Fechter um Trainer Mario Böttcher dann den Japanern gegenüber. Kurz vor Schluss lagen die deutschen Sportler mit neun Treffern zurück. Innerhalb einer Runde holte Marco Brinkmann auf 43:44 auf. Die Japaner gewannen trotzdem und Deutschland landete auf Platz zehn.Auf Platz eins landete am Ende des Turniers das russische Team. Sie gewannen im Finale gegen Ungarn.
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Vierter Turniertag

Beim Europa-Cup fechten nicht Nationen, sondern Vereine aus Städten aus ganz Europa gegeneinander. 14 Vereine hatten sich schon mehr als eine Woche vor dem Event dafür angemeldet. Auch die Heidenheimer gehen mit einer Auswahl ihrer Fechtabteilung an den Start.
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Mit ihren Trainingsanzügen fallen sie auf und auf den Rücken ist sofort zu lesen woher die Fechter stammen. Das Team aus Japan duellierte sich auf dem Weg zum Mittagessen in den Schlossarkaden für die Kamera.
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Beim Europacup schieden die HSB-Fechter gegen das Team aus, in dem wohl der älteste Fechter der Fechtertage aufgestellt war. 65 Jahre ist Henk Uijting alt. Er kommt aus den Niederlanden aus Arnheim und ficht für den SV Scaramouche.
„Heidenheim ist eine schöne Stadt. Ich habe mir eine Mütze besorgt“, erzählt er. Viele der Fechter liegen zwischen den Kämpfen faul neben den Pisten, nicht so Uijting. Er forderte seine jungen Teamkollegen aber auch zum Beispiel die Fechter aus Japan zu Übungskämpfen auf. „Die jungen Fechter kenne ich gar nicht mehr. Aber von vielen kenne ich die Eltern“, erzählt Uijting.
Dabei kam der Fechtsenior erst mit rund 40 Jahren zu dem Sport und besuchte jetzt, nach 25 Jahren Erfahrung, das erste Mal den Heidenheimer Weltcup. „Ich bin gekommen, um viele schöne Kämpfe zu sehen. Die gab es auch“, sagt der Niederländer.
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In der ersten Runde schieden die Heidenheimer beim Coupe d'Europe gegen die niederländische Mannschaft des SV Scaramouche mit 34:45 Treffern aus. Nach dem zweiten Gefecht lagen sie über die komplette Begegnung hinweg weit zurück.Das Ungarische Team Budapest Honved und die italienische Mannschaft Sala D'Armi Cariplo Piccolo Teatro aus Mailand kämpften sich ins Finale vor. In den Gefechten der beiden Teams fielen sehr wenige Treffer. Am Ende gewannen dann aber die Fechter aus Budapest mit 28:26.
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Fotos: Olliver Vogel, Markus Brandhuber, Sabrina Balzer und Patrick Vetter

Texte: Patrick Vetter

Videos: Edgar Deibert und Patrick Vetter



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